Paradox: Parteien kritisieren Facebook wegen Datenschutz aber zwingen Nutzer, es zu nutzen

Wer sich für Politik interessiert, hat viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Vorwiegend natürlich über die Presse, aber selbstverständlich auch direkt bei den Parteien. Wenn man nun die Partei seiner Wahl gefunden hat, dann ist es relativ leicht herauszufinden, wo man denn alles darüber lesen kann, was die Partei künftig will, aktuell macht und in der Vergangenheit getan hat. Das Interessante daran: Aktuell führt kein einziger Weg an Facebook vorbei.

Es ist schon erstaunlich: Da agieren Unternehmen mit den Daten der Bürger – teils sogar rechtswidrig und mit großen Skandalen – und dennoch fällt der Politik nichts weiter ein, als es zwar öffentlich zu kritisieren und viel zu fordern, am eigenen Verhalten aber nichts zu ändern.

Beispiel SPD:

Auf der Homepage unter „Aktuelles“ folgende Einträge:

  • 02.07.2018
  • 15.06.2018
  • 13.06.2018
  • 11.06.2018

Auf Facebook hingegen (Mehrfachpostings an einem Tag nicht mitgezählt):

  • 05.07.2018
  • 04.07.2018
  • 03.07.2018
  • 02.07.2018
  • 30.06.2018

Die Parteien kritisieren also Facebook, sagen aber allen Interessierten:

Wir verstehen dich, wenn du Facebook nicht mehr nutzen willst, aber dann bekommst du auch keine Informationen mehr.

Ich gehöre zu denjenigen, die Facebook nicht mehr nutzen. Ich bin also (eigentlich) außen vor, was die Kommunikation angeht. Warum eigentlich? Ich nutze RSS-Feed-Generatoren, um mir die Inhalte dennoch zugänglich zu machen. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache.

Ich kann ja verstehen, wenn die Parteien nicht mehr an Facebook vorbeikommen. Im Bereich der Kommunikation ist Facebook ja auch zwingend erforderlich, wenn man eine möglichst breite Bevölkerungsgruppe erreichen will. Aber warum setzt man hierbei vorwiegend auf Facebook? Warum nutzt man zumindest nicht die eigene Homepage? Warum kein RSS-Feed? Warum setzen nicht alle nativ Twitter und YouTube ein? Instagram? Warum dieser zwingende Weg über Facebook? Warum keine breite Kommunikation?

Mir persönlich ist das nicht klar und ich halte das auch für einen großen Fehler. Man muss mit Sicherheit nicht alle möglichen Netzwerke nutzen, um auf seine eigenen Inhalte aufmerksam zu machen. Aber zumindest die eigene Homepage sollte es doch sein. Und eben nicht nur Facebook.